Zinzendorf, Flüchtlinge und die Kraft der Liebe

Zinzendorf, Flüchtlinge und die Kraft der Liebe
21 Okt 2015

Es war das Jahr 1731. Der preußische König hatte ein Edikt erlassen, das Glaubensflüchtlinge willkommen hieß. Er dachte dabei an die reichen Juden, die aus Salzburg vertrieben wurden und hoffte auf ihr Kapital. Als plötzlich arme, böhmische Christen vor der Tür standen, war er weniger erfreut. In seiner Stadt wollte er sie nicht haben.

Immerhin stand er zu seinem Wort. Sie wurden nach außerhalb der Stadtgrenzen des damaligen Berlins nach Böhmisch Rixdorf (heute Neukölln) abgeschoben. Das – sowie der Stress der Flucht und die Strapazen des Neuanfangs führten schon bald zu Streitereien. Die Flüchtlinge spalteten sich in drei verschiedene Glaubensgemeinden auf.

Anders in Sachsen. Dort hieß Graf Zinzendorf die Flüchtlinge auf seinen Gütern herzlich willkommen und unterstützte sie beim Neuanfang in Berthelsdorf und Herrnhut. Als es zu Streit und Uneinigkeit kam, sprach er mit jeder Familie, warb für Verständnis und Versöhnung im Geist des Evangeliums. Als der Streit wieder aufflammte wiederholte er die Vermittlung.

Die Liebe dieses einen Menschen und der Segen Gottes bewirkten Großes: Die Geflüchteten wurden zu Menschen, die selbst hingebungsvoll lieben konnten. Viele gingen in unwirtliche, abgelegene Gegenden, um dort Menschen zu dienen. Andere ließen sich als Sklaven verkaufen, um den Sklaven in den Zuckerrohplantagen Amerikas die Liebe Gottes zu bringen. Ihre Liebe zum Wort Gottes – die Losungen – prägt bis heute Millionen.

 

Willkommenskultur: Liebe verändert Leben

Liebe verändert Leben. Das hat sich bis heute nicht geändert. Liebe wird auch in der jetzigen Situation in Deutschland, wo tausende von Flüchtlingen zu uns kommen, der entscheidende Faktor sein. 800.000 Menschen oder mehr sind zu viel für einen. So viel kann kein einzelner lieben. Doch jeder kann einen Menschen lieben oder zwei.

So wie eine Rentnerin, die nur Körperpflegesachen für die Flüchtlinge zur Caritas bringen wollte. Dort wurde sie gefragt wurde, ob sie sich nicht um eine Familie kümmern will. Sie sagte „Ja.“ Sie und ihr Mann begleiten die Geflüchteten jetzt bei ersten Erkundungen, zum Einkaufen und Ämtern. Wenn die Kommunikation stockt, wird per WhatsApp ein Freund der Familie kontaktiert, der schon recht gut Deutsch kann. Die Flüchtlinge blühen auf. Die Rentner auch.

Liebe bewirkt den Unterschied. Es ist Aufgabe der Politiker, praktische und politische Lösungen zu finden. Doch die Liebe der Einzelnen – oder von Familien, Gruppen und Gemeinden –wird das Entscheidende sein.

80% der Menschen, die gerade hier ankommen, sind Moslems, die mit Werten und Überzeugungen groß geworden sind, die uns eher fremd sind. Auch da ist Liebe gefragt. Werte und Überzeugungen ändern sich nur, wenn man emotional bewegt ist. Und wenn man dann glaubhaft andere Werte und Wahrheiten angeboten bekommt. Dazu braucht es Menschen, die einfach da sind, beständig lieben und im entscheidenden Moment auch mutig und frei Werte und Überzeugungen teilen.

 

Zu lieben kann mit Gebet beginnen. Gebet ist nicht alles, was man tun kann, aber es Postkarte_Willkommenskultur_Gebetist ein guter Anfang. Und bewirkt viel. Ich möchte dich ermutigen, dir einen Flüchtling, eine Familie oder eine Flüchtlingsunterkunft aufs Herz legen zu lassen und regelmäßig – vielleicht täglich – kurz oder lang für sie zu beten. Das Bild rechts kann dir Inspiration geben.

Hier kannst du es auch als Postkarte oder Poster herunterladen.

 

Das neue Quadro: Willkommenskultur

Q-53_Willkommenskultur_PresseUnd es kann mit praktischem Engagement im Rahmen deiner Möglichkeiten weitergehen. Dazu gibt dir unser neues Quadro Impulse. Willkommenskultur. Flüchtlinge kennenlernen und unterstützen.

Das Quadro erläutert die Hintergründe von Flucht, gibt Einblick in die Situation der Geflüchteten, erklärt, wie man lernt, mit anderen Kulturen umzugehen und gibt fundierte Tipps, wie du dich so engagieren kann, dass es zu dir passt. Egal ob du Rentner bist – mit großem Zeitbudget – oder Mutter mit eher wenig Freiraum, egal ob Geschäftsmann oder Leiterin einer Jugendgruppe.

Die Quadros kosten einzeln 5 Euro, 10 Stück 45 Euro und 50 Stück 200 Euro. Man kann sich überlegen, wie viel man kaufen und im Umfeld verteilen möchte, um auch andere zu ermutigen, sich zu engagieren und ihnen beim Einstieg zu helfen.

teilenNeben den Quadros gibt es noch das Impulsheft Teilen. Impulse für nachhaltiges Leben. Es vermittelt viele Ideen, wie man Ressourcen weitergeben und teilen kann.

 

 

Willkommenskultur – Inspiration und praktische Hilfen online

Hier im Online-Magazin haben wir unter Willkommenskultur leben Inspiration gesammelt – Interviews, Ideen, aber auch Adressen für Deutsch-Lernpakete, arabische Bibeln, Downloads von Vokabellisten und Links zu genialen Projekten, bei denen du dich engagieren kannst. Wir unterstützen mit einem Teil des Erlöses von unserem Willkommenskultur-Quadro die Kiron University, die für nur 400 Euro im Jahr (!) einem Flüchtling ein Studium ermöglicht. Auch das ist ein Beitrag. Auf unserer Facebook-Seite Willkommenskultur gibt es täglich frische Information.

Wenn wir der aktuellen Herausforderungen nicht mit Angst, sondern mit großer Liebe begegnen, kann sich vieles verändern. Sicher wird aus der Saat der Liebe, die wir jetzt säen, eine Ernte wachsen, die das Potential hat, uns und die Welt zu bereichern – wie bei den Herrnhutern.