Kerstin Hack: Gottes Versprechen

Kerstin Hack: Gottes Versprechen
21 Dez 2016

Zu Weihnachten feiern wir alle Jahre wieder – bewusster oder weniger bewusst -, dass ein Versprechen Gottes Wirklichkeit wurde. Nämlich, dass er einen Erlöser in die Welt schicken würde, durch den Friede und Freundschaft mit Gott möglich wird. Dauerhaft, ewig, bedingungslos. Dieses Versprechen hat Gott eingelöst.

Der biblische Gott ist ein Gott, der Versprechen und Zusagen macht, die er hält. Viele erfüllte Prophetien zeigen das. Etliche Versprechen gelten uns nach wie vor. Das „Buch der Bücher“ enthält Hunderte von Bibelstellen mit Zusagen Gottes, für die er mit seinem Charakter bürgt. Es gibt zum einen Verheißungen, die mit Gottes Rettungsplan für die Menschheit zu tun haben, wie eben z. B., dass er seinen Sohn zur Erlösung der Menschen senden wird. Andere Verheißungen gelten speziell Gottes auserwähltem Volk Israel – etwa, dass es nach einer Zeit in der Verbannung wieder in sein Heimatland zurückkehren wird. Wunder über Wunder waren nötig, um das Volk Israel aus dem Exil zu befreien und zurück in das Land Abrahams, Isaaks und Jakobs zu bringen. Gott hatte es zugesagt. Und er hielt Wort.

Persönliche Zusagen

Gott spricht auch zu einzelnen Menschen. In der Bibel stoßen wir auf viele Personen, denen er ganz persönliche Zusagen gab. Er sah, was ihnen Not und Probleme machte und versprach, einzugreifen. So ließ er Abraham wissen, dass seine Frau Sara noch im hohen Alter einen Sohn bekommen würde. David sagte er zu, dass er König werden würde.

Solche Verheißungen und die Geschichte ihrer Erfüllung können meinen Glauben stärken: Der Gott, der die Not einer kinderlosen Frau sah und eingriff, kann auch mir in meinen Schwierigkeiten helfen. Wenn er der Sehnsucht eines alten Mannes begegnen kann, der auf die Ankunft des Retters der Welt wartet, dann kann er meine Sehnsucht ebenso stillen.

Auch heute erleben viele Christen, dass eine Bibelstelle für sie zur ganz persönlichen Zusage Gottes wird, ein Wort, auf das sie sich verlassen können. Ich erkläre mir das so, dass Gottes Geist, sich beim Lesen der Bibel mit unserem Geist verbindet und deutlich macht: „Diese Zusage gilt dir in besonderer Weise.“ Oder auch, dass Gott uns eine persönlich formulierte Zusage ins Herz legt, an der wir uns festhalten können.

Es gilt: Nicht jede biblische Geschichte ist eins zu eins auf das eigene Leben übertragbar. Sie sind nicht Sara, David oder Simeon. Sie sind Sie. Ich bin ich. Ihre Geschichte mit Gott wird anders sein. Doch sein Charakter will sich in Ihrem Leben genauso zeigen, wie er sich im Leben der biblischen Personen zeigte.

Viele der biblischen Verheißungen sind zuerst einmal eine Beschreibung, wer und wie Gott ist. „Ich bin der gute Hirte!“(Johannes 10,11) „Ich bin ein starker Fels!“ (Psalm 62,3) „Ich bin der treue Gott.“(5. Mose 32,4) An diesen Zusagen kann man sich festhalten: So ist der Gott, auf den ich vertraue. Auf ihn kann ich mich verlassen. Er ist treu. Ich selbst greife Gottes Versprechen immer wieder im Gebet auf, um mir – besonders in schwierigen Situationen – den Charakter meines Gottes in Erinnerung zu rufen.

Zwischen Frust und Vertrauen

Manche Menschen picken sich aus der Vielzahl der biblischen Zusagen ihre Lieblingsverheißung heraus. Sie wählen etwa das Versprechen „Ich bin dein Schirm und Schild“ und stricken sich daraus eine Philosophie der Unverletzbarkeit. „Wenn Gott mein Schirm und Schild ist, kann mir nie etwas passieren.“ So eine Sicht ist nicht nur naiv, sie kann auch den eigenen Glauben gehörig ins Wanken bringen, wenn die Verheißung sich nicht auf die erhoffte Weise erfüllt.

Die Bibel enthält sowohl Versprechen, dass Gott vor Gefahren beschützt, als auch Verheißungen, dass er nach Tiefschlägen wieder aufrichtet und tröstet. Nach meinem Verständnis bedeutet das: Wenn Gott zusagt, mir nach Schwierigkeiten wieder auf die Beine zu helfen, dann bedeutet das auch, dass ich manchmal Probleme haben werde. Er wird mich also nicht vor jeder Notlage beschützen.

Ich habe mich einmal – weil ich innerlich plötzlich sehr unruhig wurde – gegen eine Spritztour mit zwei Freundinnen entschieden. Ein anderes Auto fuhr in sie hinein. Die beiden blieben unverletzt. Wäre ich mitgefahren, wäre ich auf dem Rücksitz zerquetscht worden. Gott hatte mich bewahrt. Eine Bekannte von mir hingegen wurde Opfer eines Bombenanschlags. Sie überlebte, leidet aber nach wie vor an den Folgen des Anschlags – und erlebt zugleich Schritt für Schritt Gottes Heilung.

Gottes Verheißungen bewegen sich in diesem Spannungsfeld zwischen seiner Allmacht und den Bedingungen einer Welt, die sich von Gott abgewandt hat. Gott kann alles tun, was er will. Gleichzeitig gab er den Menschen aber einen freien Willen, über den er sich nicht hinwegsetzt – mit allen Konsequenzen.

An den Widersprüchen nicht zerbrechen

Auch Johannes dem Täufer erlebte die Spannung zwischen Gottes Macht und der Erfahrung von Leid sehr deutlich: Er hatte radikal für Gott gelebt. Und dann wurde er von einer bissigen Frau, die er mit seinen ehrlichen Worten bis ins Mark getroffen hatte, in einen Kerker geworfen. Er fragte sich, ob sein Einsatz für Gott umsonst gewesen war und ob Jesus wirklich der Messias ist. Jesus ließ ihm ausrichten, dass durch ihn wunderbare Dinge geschehen: „Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören, Tote werden wieder lebendig, und den Armen wird die rettende Botschaft verkündet!“(Matthäus 11,22) Und er fügte noch hinzu: „Selig, wer sich nicht an mir ärgert!“ In meinen Worten: Wie glücklich sind die Menschen, die an den Widersprüchen zwischen dem göttlichen Handeln einerseits und dem scheinbaren Nichteingreifen Gottes nicht verrückt werden oder innerlich zerbrechen. Glücklich, wer inmitten dieser Spannung am Vertrauen auf Gott festhalten kann.

In dieser Spannung lebte auch ein Bekannter von mir: „Zwei Tage vor dem Tod meiner ersten Frau war ich völlig am Ende. Ich konnte und wollte nicht mehr – auch was Gott anbelangt. Damit habe ich einen guten Freund konfrontiert. Der sagte zum einen, dass er es total verständlich fände, dass ich am Ende bin. Zum anderen fragte er mich, ob ich denke, dass Gottes Verheißungen nicht mehr gelten, ‚nur‘ weil ich ihn nicht mehr erlebe. Das brachte mir den Durchbruch zu neuem Vertrauen auf Gott und seither die feste Gewissheit, dass er zu dem steht, was er versprochen hat. Leider gehören da die Bewahrung vor Leid oder ein Leben ohne Krankheit nicht dazu.“

Den Kontext beachten

Wenn ich eine spezifische Zusage Gottes lese und persönlich davon angesprochen bin, ist es wichtig, den Kontext zu beachten. Nicht jede Verheißung, die in der Bibel steht, gilt gleichermaßen für alle Menschen. Nicht jeder hat wie David die Aufgabe, König zu werden.

Viele Versprechen Gottes sind an Bedingungen geknüpft. So sagte er seinem Volk Israel Versorgung und Segen zu, wenn es sich an seine Gebote halte – was leider nicht immer der Fall war. Darum erlebte das Volk auch Zeiten der Dürre, Armut und Bedrängnis durch Feinde. Oft sind Verheißungen mit der Aufforderung zum Gebet verbunden: „Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.“ (Jakobus 4,2)

Es lohnt sich also, beim Lesen einer Zusage den Zusammenhang zu erforschen:

–       Wem galt das Versprechen ursprünglich?

–       Welchen besonderen Auftrag hatte dieser Mensch oder diese Gruppe von Menschen?

–       Welche Voraussetzung soll der Mensch erfüllen, damit die Verheißung wirksam werden kann?

Der Zeitfaktor

Manche Menschen sind enttäuscht, wenn sich eine bestimmte Verheißung Gottes scheinbar nicht erfüllt. In vielen Fällen haben sie nicht im Blick gehabt, dass das in der Regel seine Zeit braucht. Viele Menschen erleben, dass nach einer Zusage Gottes alles erst einmal in eine völlig andere Richtung zu gehen scheint. Die „Risiken und Nebenwirkungen“ einer Verheißung – quasi das „Kleingedruckte“ – werden häufig erst im Laufe der Zeit erkennbar. Diese aus menschlicher Sicht oft unerwünschten Verzögerungen von Gottes Zusagen sind meist damit nötig, um uns auf das vorzubereiten, was Gott schenken möchte. Er will unseren Charakter formen, damit wir die Segnungen, die er uns geben möchte, auch innerlich tragen können – ohne hochmütig zu werden.

In zahlreichen biblischen Geschichten kann man das sehen. Zwischen der Zusage, dass David König von Israel werden würde und ihrer Erfüllung lagen beispielsweise viele harte Jahre. Eine Zeit, in der Gott ihn durch die Schwierigkeiten zu dem Mann reifen ließ, den er als König gebrauchen wollte. Ähnliches erlebte Joseph, der von Gott in Träumen eine Leitungsposition zugesagt bekam. Doch zunächst verkauften ihn seine Brüder als Sklaven und er musste einige Zeit unverschuldet im Gefängnis zubringen.

Gott hält sein Wort

Bei allen Geheimnissen um die Zusagen Gottes gilt: Er hält sein Wort. Er verändert sich nicht. Die Beschreibungen, wer und wie er ist, sind zuverlässig und spiegeln etwas von seinem Charakter wider. Für mich sind Gottes Versprechen wie Bälle, die er mir zuspielt und die ich ihm im Gebet zurückspiele: „Du sagst, dass du so bist – danke!“ oder „Du sagst, dass du jenes tun willst – bitte!“

Mit Verheißungen zu leben ist eine Abenteuerreise durch manchmal stürmische See – doch immer mit dem Wissen, dass das, worauf ich mich verlasse, in Gott selbst verankert ist.

Dieser Artikel – leicht verändert – erschien zuerst im Magazin Entscheidung, www.entscheidung.org. Mit freundlicher Genehmigung.

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