Newsletter Juni 2016/1: Friedlicher Ramadan?

Newsletter Juni 2016/1: Friedlicher Ramadan?
01 Jun 2016

Liebe Freunde,

vor ein paar Wochen erzählte mir ein muslimischer Freund, dass es ihm vor dem Ramadan graut, der 2016 Jahr auf die längsten Tage des Jahres fällt: vom 6. Juni bis 4. Juli. Muslime essen und trinken in dieser Zeit ja von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts. Das sind 2016 ca. 19 Stunden. Das ist hart. Er fragte sich, wie er sich da wohl auf seinen Deutschunterricht konzentrieren könnte.

Und ich fragte mich, wie das in den Flüchtlingsunterkünften gut gehen kann. Da wohnen oft Hunderte von Muslimen und Hunderte von Nicht-Muslimen auf engstem Raum zusammen. Im Ramadan essen die einen tagsüber, die anderen nachts. Die einen schlafen nachts, die anderen am Tag. Man braucht nicht viel Phantasie, um ich vorzustellen, dass das für alle nicht einfach wird.

Mir lagen die Menschen auf dem Herzen. Und so begann ich mir Gedanken dazu machen, was in dieser Zeit für alle hilfreich sein könnte. Mit Hilfe von muslimischen und christlichen Flüchtlingen, islamischen und christlichen Geistlichen und Ärzten entwickelte ich ein Konzept für die Unterkünfte – mit Fokus auf die Themen Versorgung mit Nahrung, Gesundheit und sozialer Friede. Mein Ziel: Ideen zusammenzustellen, wie diese herausfordernde Zeit möglichst gut gestaltet werden kann.

 

Das Konzept für einen friedrlichen Ramadan

Das Konzept für Heimbetreiber, sowie ein Poster für die Bewohner in Deutsch – Englisch – Französisch und Farsi findest du hier:

http://blog.down-to-earth.de/willkommenskultur-leben/kerstin-hack-friedvoller-ramadan/

Was du selbst ganz praktisch für einen friedlichen Ramadan tun kannst:

  • Bete für die Menschen in den Unterkünften: Für Frieden im Zusammenleben und dafür, dass die, die nach Gott suchen in dieser Zeit seiner Liebe begegnen. Weitere Gebetsanregung findet ihr hier: http://www.ead.de/gebet/30-tage-gebet/editorial.html
  • Schenke den Menschen in den Unterkünften Ohrstöpsel und Schlafbrillen / Tücher
  • Datteln: Bringe Muslimen Datteln mit. Die werden traditionell zum Fastenbrechen am Abend gegessen und sind in vielen Unterkünften nicht erhältlich.
  • Ruheort: Lade Flüchtlinge, die nicht fasten für ein paar Stunden oder Tage zu dir nach Hause ein. Für viele ist diese Zeit besonders anstrengend. Ein paar Stunden, Tage und vor allem Nächte (!) in Ruhe verbringen zu können, schenkt neue Kraft. Oder lade Muslime spätabends zu dir zum Essen ein, damit die anderen in Ruhe schlafen können.

 

Wie du allgemein geflüchtete Menschen unterstützen kannst

Es ist nach wie vor herausfordernd, für die Menschen, die hierhergekommen sind, beim Ankommen in unserem Land und unserer Gesellschaft zu helfen. Doch es wurden in den letzten Monaten viele hilfreiche Dinge von Sprach-Apps bis Wohnraumvermittlung bis hin zu einer Online-Uni entwickelt, die Geflüchteten helfen.

  • Blog: Auf unserem Blog publizieren wir Inspiration rund um Willkommenskultur. Der neueste Artikel handelt z. B. von Robinson, Freitag und die Fremden. http://blog.down-to-earth.de/category/willkommenskultur-leben/
  • Willkommenskultur-leben: Auf dieser Seite findest du viele Ressourcen, die beim Unterstützen helfen: http://willkommenskultur-leben.de/
  • Q-53_Willkommenskultur_PresseDas Quadro Willkommenskultur. Flüchtlinge kennenlernen und unterstützen Das gibt einen guten Einstieg in die Flüchtlingssituation und die Möglichkeiten, anzupacken. Ich empfehle dir, mal einen ganzen Packen davon zu kaufen und an Menschen zu verschenken, die sich fragen, ob und wie sie helfen können. Und was am besten zu ihnen passt. Hier kannst du es bestellen.
  • Wohnraum finden: Das ist – gerade in den Städten – die größte Herausforderung. 50% der Flüchtlinge, die alleine hier sind, wünschen sich, für eine Weile bei einer Familie oder in einer WG wohnen zu können, um besser Deutsch zu lernen und sich integrieren zu können. Wenn du ein Zimmer frei hast und dir das vorstellen kannst, kannst du das im Internet melden. https://www.home4refugees.org

Ich betrachte es – trotz aller Probleme und Herausforderungen, die das Ankommen von so vielen Menschen aus einem anderen Sprach-, Kultur- und Religionsraum mit sich bringt – nach wie vor als Geschenk und Herausforderung, dass wir Menschen, die oft alles verloren haben, dabei begleiten dürfen, eine neue Zukunft aufzubauen.

Ich wünsche euch, dass ihr ein Segen für die Menschen sein könnt – zur Zeit des Ramadans und zu anderen Zeiten.

Von Herzen

Kerstin Hack

und das Team von Down to Earth

P.S: Auf meinem Englischen Blog erzähle ich ab und zu darüber, wie Geflüchtete mein Leben bereichern – auf Englisch, damit sie es auch lesen können. http://heartofberlin.de/

PS: Zwei Geflüchtete helfen mir Texte wie das Ramadan-Konzept, Beiträge auf Willkommenskultur-leben.de, Texte aus Impulsheften und vieles mehr ins Arabische und Farsi zu übersetzen. Da sie zum Übersetzen nur ihre Telefone haben, habe ich ihnen einen günstigen gebrauchten Laptop zugesagt (Obergrenze 250 Euro). Wenn du zufällig einen abzugeben hast oder mir bei der Finanzierung helfen magst, lass es mich bitte wissen: info @down-to-earth