Brief einer frustrierten Verlegerin. Krise Teil 1: der Anteil der anderen

Brief einer frustrierten Verlegerin. Krise Teil 1: der Anteil der anderen
04 Okt 2016

Liebe Kundinnen und Kunden, liebe Freunde,

ja, der Down to Earth Verlag steckt in der Krise. Im Jahr 2015 haben wir herbe Verluste eingefahren und 2016 sieht es auch nicht rosig aus.

Unsere Inhalte sind gut. Menschen lieben die kompakten Ratgeber, die wir publizieren. Fast täglich erhalten wir Mails von Kunden, die uns schreiben, dass gerade der intensive Praxisbezug unserer Titel für sie einen großen Gewinn darstellt. Wenn man von Menschen hört, dass durch unsere Impulse Ehen wieder neuen Auftrieb gewonnen haben, das Abnehmen geglückt ist und die Angst for Meetings abgebaut werden konnte – dann ist das ein Gewinn.

Wir haben tatsächlich steigende Umsätze, steigende Kundenzahlen, steigende Abonnenten unseres zwei-wöchentlichen Newsletters. Was wir tun, kommt offensichtlich gut an.

Nur der materielle Gewinn ist damit noch nicht gegeben. Das liegt vor allem daran, dass der Vertrieb viel schluckt. Wenn bei den Impulsheften die Großhändler 60 % Rabatt fordern und sich erdreisten, Bücher, die sie 2014 gekauft haben, 2016 zurückgeben zu wollen. Und dann noch die Vertriebsfirma sich vom Rest des Kuchens einen immer größeren Teil – derzeit etwa 22 % – für Lager und Service abschneidet und der Staat natürlich von dem, was dann noch bleibt, 7 % Mehrwertsteuer will, bleibt nicht mehr viel übrig. Oder gar nichts.

Ich finde es wunderbar, dass viele Menschen sich stark für Fair Trade, faire Löhne usw. einsetzen. Und bereit sind, dafür auch mehr zu zahlen, damit diejenigen, die die Hauptarbeit der Produktion leisten, auch angemessene Entlohnung für ihre Arbeit bekommen. Aber dass die gleichen Menschen ohne mit der Wimper zu zucken, Bücher bei großen Internet-Portalen bestellen, verstehe ich nicht.

Ich habe mal gelesen, dass ein Portal wie Amazon durchschnittlich 17 Sekunden braucht, um ein Buch zu versenden. Dafür erhalten sie – grob geschätzt – 30-40 % des Verkaufspreises (zu welchen Preisen sie bei den Großhändlern einkaufen, ist, so weit ich weiß, geheim). Wir als kleiner Verlag stecken etwa 10 Mal  so viel Zeit in die Konzeption, das Lektorat und die Gestaltung eines Buches. Und haben – wenn es gut geht – mal 3-4 % des Verkaufspreises als Gewinn. Ist es „Fair Trade“, wenn der Händler 100 Mal mehr verdient als der Produzent? Ist Fair Trade nur ein Thema in Entwicklungsländern?

Wir geben als Verlag gern, und ich meine wirklich gern, Buchhandlungen und BuchhändlerInnen einen Anteil ab. Sie leisten gute Arbeit und investieren in der Regel weit mehr als 17 Sekunden pro verkauftes Buch in Beratung und Service. Dafür sollen sie auch einen guten Lohn und angemessenen Anteil am Verkaufspreis erhalten.

Und wir lieben Online-Partner wie etwa den Avocado-Store. In diesem Portal werden Dinge vorgestellt, die schön, gut, umweltfreundlich und fair sind. Wir sind dort vertreten, da wir alle Titel in Deutschland umweltfreundlich und klimaneutral bei Müller Druck, einem inhabergeführten Familienbetrieb, produzieren. Und Avocado verkauft nicht nur für faire Preise. Sondern ist in der Provision selbst auch fair. Es ist ein Genuss mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten.

Die hohen Vertriebskosten sind ein wesentlicher Faktor, der zur aktuellen Krise bei uns im Verlag beigetragen hat. Es wäre jedoch blind und blauäugig, die Probleme nur in den äußeren Faktoren zu suchen.

Teil 2: Brief einer frustrierten Verlegerin. Die Krise: unser Anteil