Kerstin Hack: Mit dem Trend gehen

Kerstin Hack: Mit dem Trend gehen
29 Nov 2017

Dinge, Menschen, Verhaltensweisen verändern sich. Oft betrifft das sogar eine ganze Kultur, eine Generation, eine Gesellschaft. Neue Technologien revolutionieren unsere Gewohnheiten. Branchen bekommen das stark zu spüren, wenn sich auch das Konsumverhalten verändert. Aufhalten kann man Trends nicht – sie kommen – und gehen auch wieder. Es kommt viel mehr darauf an, entsprechend zu reagieren und gute Entscheidungen zu treffen. Ob und wie man Einfluss nehmen kann. Als einzelner wie auch auf Unternehmer-Ebene.

Die Post zum Beispiel stellt fest: Es werden weniger Briefe ausgeliefert als früher. Das verwundert nicht so wirklich, wenn man überlegt, wie viel weniger Post man selbst zum Briefkasten trägt. Im Vergleich zur Häufigkeit, den „Senden“-Knopf im E-Mailprogramm zu klicken. Waren es im Dezember 2005 noch 21,5 Milliarden Briefe, sank die Zahl bis Dezember 2009 auf 20,7 Milliarden. Heute dürften es noch weniger sein, da das Internet das Leben immer mehr Menschen umgestülpt hat.

Das Lustige: Der Konzernchef hat sich (laut Bundesnetzagentur) vorgenommen, den Trend aufzuhalten. Er will „jeden Stein im Konzern umdrehen“, um den Rückgang zu stoppen. Das ist in meinen Augen ähnlich aussichtsreich wie der Versuch, sich gegen Ebbe und Flut zu stellen. Trends kommen und gehen. Man kann auf den Wellen mitschwimmen. Sie zu beeinflussen dürfte – zumindest bei großen internationalen Trends – auch für einen großen Konzern wie die Post kaum möglich sein.

Die Hersteller alkoholischer Getränke scheinen da um einiges schlauer zu sein. Sie haben offensichtlich verstanden, dass sie die Tendenz zum Homing (zu Hause am Computer rumhängen statt auszugehen) nicht aufhalten können. Also bemühen sie sich offensichtlich, die dadurch sinkenden Umsätze dadurch auszugleichen,  dass sie Getränke für spezielle Zielgruppen entwickeln,  z. B. alkoholische Getränke, die besonders junge Mädchen ansprechen. Die dann zu viel trinken. Und krank davon werden. Im Jahr 2009 gab es 28.000 Einlieferungen ins Krankenhaus durch Koma-Trinken (Jungs und Mädchen). Die Kids haben natürlich eine eigene Verantwortung. Aber die Getränkeindustrie scheint derartige Vorfälle zumindest billigend in Kauf zu nehmen. Hauptsache der Umsatz stimmt.

Für mich selbst wünsche ich mir, dass ich immer klarer und besser unterscheiden kann, womit ich es zu tun habe. Mit Dingen, die ich aktiv beeinflussen kann, oder mit Wellen und Trends, die jenseits meines Einflussbereiches stehen. Und entweder aktiv werde. Oder gelassen auf den Wellen surfe.

Headerfoto: Unsplash.com/Samuel Zeller