Gute Entscheidungen treffen

Gute Entscheidungen treffen
02 Dez 2015

Entscheidungen zu treffen, kann herausfordernd sein. Dinge werden sich ändern, Konsequenzen folgen. Viele Menschen zögern daher vor Entscheidungen. Andere treffen sie, aber stellen nach einiger Zeit fest, dass sie sich damit nicht allzu glücklich fühlen. Der Grund dafür kann der fehlende Fokus sein.

Bei einer Entscheidung tut man gut daran, das große Ganze im Blick zu behalten – alle Faktoren, die dafür wichtig sind. Da gibt es zwei Ebenen:

1) Allgemeine Werte/Faktoren

Die Werte und Prinzipien, die einem allgemein im Leben wichtig sind, und die universell in allen Entscheidungen mitspielen sollten. Es kann sinnvoll sein, sich die wichtigsten 5 – 10 Werte, die bei fast allen Entscheidungen mitspielen, bewusst zu machen. Und im Kopf zu haben, dass andere Menschen andere Werte haben.

2) Situationsspezifische Werte/Faktoren

Das sind die Aspekte, die für eine bestimmte Situation wichtig sind.

Beispiel: Ein Mensch hat die Aufgabe, einen Bahnhof zu pflegen. Er sieht die Natur, die beginnt, die Gleise zu überwuchern.

Wenn zu seinen allgemeinen Werten und Prinzipien, die ihm besonders wichtig sind, Treue gegenüber seinem Arbeitgeber gehört, wird ihm das nicht schwer fallen. Ist jedoch Naturerhalt ein extrem hoher Wert für ihn, kann es sein, dass es ihm Mühe macht, das Unkraut rauszureißen. Er steht in einem Wertekonflikt. Ein anderer Wert könnte Effizienz sein – schnell viel zu erreichen. Oder Gründlichkeit – alles möglichst perfekt zu machen.

Situationsspezifisch könnte noch der Wert der Sicherheit für die Reisenden eine Rolle spielen – oder die Ästhetik…

Je nachdem, was seine eigenen Werte sind, wird er mehr oder weniger intensiv Pflanzen rausreißen.

Weitblick / Detailblick

Neben den allgemeinen und spezifischen Werten spielt Fokus eine Rolle. Mal angenommen, die Pflanzen könnten reden. Und sprechen mit dem Angestellten: “Sei nicht so grausam. Wir sind so schön. Es tut uns weh, wenn du uns rausreißt. Das ist gemein.”

Wenn er seinen Blick auf diesen einen Aspekt – das subjektive Befinden der Pflanze – richtet, wird er unter Umständen die Entscheidung treffen, sie stehen zu lassen – und es eventuell später bereuen – dann, wenn er merkt, dass er andere Aspekte, die ihm wichtig waren, bei seiner Entscheidung gar nicht berücksichtigt hat.

Manipulation

Das passiert oft, wenn Menschen bewusst oder unbewusst manipulieren. Sie lenken den Blick auf einen Aspekt etwa “Mir geht es so schlecht” oder “Den Schnäppchenpreis gibt es nur diese Woche!” Am Ende trifft man die Entscheidung wegen des einen Aspektes – und fühlt sich schlecht dabei. Man merkt oft erst mit Abstand, dass man eine Entscheidung getroffen hat, die nicht rundum stimmig war. Und realisiert, dass andere, wichtige Aspekte nicht berücksichtigt wurden.

Verschiedene Werte – unterschiedliche Aspekte im Blick

Bei Konflikten und Streit ist es in der Regel so, dass die Konfliktparteien verschiedene Aspekte im Blick haben. Da streiten sich zwei über den besten Urlaubsort – dem einen ist Entspannung und Erholung wichtig, dem anderen niedrige Kosten und die Möglichkeit, ab und zu ins Internet zu kommen. Hier hilft es, einen Stop zu setzen.

Statt weiter Argumente dafür vorzubringen, warum die einsame Berghütte oder die Jugenherberge in der Stadt so toll ist, macht es Sinn, die Faktoren, auf die man die Entscheidung gründet, transparent zu machen. Dann lässt sich leichter eine Lösung finden.

Selbstmanipulation

Man kann sich übrigens auch selbst manipulieren. Es kann sein, dass man als allgemeinen Wert hat, sich weiterzuentwickeln – und gerade Geld spart, um sich eine Weiterbildung leisten zu können. Dann geht man durch die Einkaufsstraße und sieht ein tolles Kleidungsstück zum Sonderpreis. Supergünstig. Schnäppchen. Dann richtet der “innere Schnäppchenjäger” den Blick auf das Sonderangebot. Und betont allein den Preis. Die anderen Werte – sinnvoller Umgang mit Geld, nichts Unnötiges besitzen, sich entwickeln – werden “plattgeredet” oder gar nicht erwähnt; der eine Aspekt wird überbetont.

Viele Entscheidungen trifft man ganz souverän – und ziemlich gut. Da macht es keinen Sinn, die Sache unnötig zu verkomplizieren. Gerade aber in Situationen, in denen nach Entscheidungen oft ein schaler Nachgeschmack bleibt, macht es Sinn, sorgsam zu entscheiden.

Tipps für gutes Entscheiden:

1. Eine universelle Liste der eigenen wichtigsten Werte erstellen – die bei den meisten Entscheidungen mitspielen.

2. Die Aspekte notieren, die für die aktuelle Entscheidung wichtig sind.

3. Bei Manipulationsversuchen einen Stop setzen und sagen: “Ich brauche einen Moment, um wieder das Ganze in den Blick zu nehmen.”

4. Das Ganze – und alle Faktoren, die mitspielen – in den Blick nehmen – und dann entscheiden.

Büchertipps zum Thema:
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