7 Wochen ohne Multitasking: 18 Minuten – Fokus

7 Wochen ohne Multitasking: 18 Minuten – Fokus
03 Mrz 2015

18 MinutesTeil 3

7 Wochen ohne Multitasking: Es war – wie so oft – ein Buch, das mich zu diesem Experiment inspiriert hat. Genauer gesagt das Buch von Peter Bregman: 18 Minutes. Find your focus. Master distraction & get the right things done.

Inhalt

Das Buch hat vier  Teile

1. Innehalten

Hier geht es darum, erst mal innezuhalten und sich dann zu prüfen, ob man tatsächlich das Leben lebt, das man leben möchte.

2. Jahre gestalten

Bregman schlägt vor, pro Jahr nicht mehr als ca. fünf konkrete Ziele im Blick zu haben. Zwei persönliche und drei berufliche.Und sich auf diese Ziele zu fokussieren und 95% der Energie und Zeit, die man hat, darauf zu verwenden.

Bei mir als Autorin und Verlegerin sind das weit mehr. Ich habe für dieses Jahr allein 16 berufliche Ziele, um genau zu sein. Darunter sind neben den ganz großen Zielen für die Weiterentwicklung von Verlag und Training auch eine Reihe von mittelgroßen Zielen z. B. 8 Publikationen, an denen ich direkt mitarbeite sowie zwei neue Online-Trainingskurse.

Doch pro Monat nehme ich drei dieser 16 Ziele in den Blick – jetzt Ende Februar sind es eigentlich nur noch 12,5. Die anderen habe ich schon erreicht.

3. Tage meistern

5 + 8 + 15 ist das Rezept, das Bregman für einen fokussierten Tag empfiehlt.

5 Minuten Planungszeit

Bregman empfiehlt den Morgen (Ich persönlich plane gern schon am Abend vorher).Wichtig: Die Planung sollte mit den eigenen fünf oder mehr Zielen übereinstimmen: Mache ich irgendetwas, was andere Menschen villeicht wichtig finden? Oder tue ich tatsächlich Dinge, die mich meinen Zielen näher bringen?

8 x 1 Minute Zwischenchecks

Bregman empfiehlt sich einen Timer zu stellen, der stündlich klingelt. Wenn er klingelt, innehalten und sich fragen: Habe ich in den letzten 60 Minuten meine Ziele verfolgt und so gelebt, wie ich leben wollte oder nicht? Wenn ja, wunderbar. Das zu erkennen tut gut. Wenn nein, was hat mich gehindert? Was kann ich daraus lernen?

Die Zwischenchecks finde ich brillant. Allein zu wissen, dass ich gefragt werden werde: Wie hast du die letzte Stunde verbracht? führt dazu, dass ich fokussierter bleibe.

Um etwas neu zu lernen, braucht man Überprüfung. Wer sich nur einmal pro Woche oder im Monat zu fragen, ob man so gelebt hat, wie man will, wird nur sehr langsam lernen. Wer sich häufig fragt, lernt schneller.

Ich steller den Timer meist auf 90 Minuten, weil das meinem Rhythmus mehr entspricht. Körperenergie verläuft in Wellen – nach etwa 90 Minuten Arbeit braucht der Körper eine Pause. Den natürlichen Rhythmus mit dem Lernrhythmus zu verbinden halte ich für sinnvoll.

Gelegentlich kombiniere ich die 1 Minute Reflexionszeit auch mit Stretchclock als Timer, das ist ein Internet-Programm, das – auch mit Timer kombiniert, dazu ermutigt alle 90 Minuten 45 Sekunden Nacken, Arme oder Rücken zu dehnen . Ein Vorturner zeigt, wie es geht. Das tut an langen Tagen am Schreibtisch richtig gut.

5 Minuten Tagesauswertung.

Ein kleiner Rückblick auf den gesamten Tag – und gegebenfalls noch ein paar Aktionen für „Reste“, die übrig geblieben sind. Auswertung

Umgang mit Momenten

Im vierten Teil geht es schließlich um die vielen kleinen Momente im Alltag. Darum, wie man Unterbrechnungen minimiert – etwa indem man mit Mitarbeitern feste Besprechungseiten einplant. Oder die Internetverbindung einfach ausschaltet, wenn man an einem längeren Text arbeitet. Als ich das gelesen habe, habe ich mich an den Kopf gefasst und gefragt, warum ich selbst bisher noch nicht auf diese einfache Lösung gekommen bin.

Er schreibt auch wie stark Multitasking das Gehirn schädigt – 10 % Absenken des IQ und stärkerer Einfluss auf die Gedächtnisleistung als Marihuana. Autsch. Das hat mich motiviert, etwas zu ändern.

Er schreibt auch über die Kunst, einen Moment innezuhalten – ein Thema, das er in einem weiteren Buch – 4 Seconds – vertieft. Unser Gehirn nimmt Reize auf und reagiert. Reize von außen: Unterbrechnungen, Gespräche, visuelle und auditive Reize – das eingeblendete Video, das uns zum Klicken animiert.

Daneben Reize von innen. Selbstgespräche: „Du solltest dies oder jenes tun.“ „Das schaffe ich nie!“ Und auch Angst, Druck usw. In der Regel laufen auf einen Reiz hin Automatismen ab. Man spürt den Druck eines Abgabetermins. Und hetzt los. Vielleicht ist das nicht die beste aller Maßnahmen.

Es sind nur zwei Sekunden nötig, um diesen Automatismus zu unterbrechen. Dann kann man wahrnehmen, wie die Situation ist und was man fühlt oder denkt. Und Wege finden, die kongruent mit dem sind, wie man sein möchte.

Meine Analyse als Coach:

Das Buch ist ausgesprochen hilfreich für Menschen, die mehr Klarheit und Fokus gewinnen möchten. Es gibt viele praktisch umsetzbare Anregungen. Bregman selbst empfiehlt gar nicht alle auf einmal umzusetzen. Sondern diejenige(n) Maßnahmen zu wählen, die sich vermutlich am stärksten positiv auswirken werden.

Für mich waren das

  • Einen Timer zu nutzen, um zu prüfen, ob ich auf Kurs bin.
  • Das Internet ausschalten, wenn ich längere Texte schreibe
  • Multitasking zu reduzieren.

Meine Analyse als Verlegerin

Ein richtig gut komponiertes Buch. Gut und anschaulich geschrieben. Ansprechendes Layout. Interessante  Kombination von neugierig machenden und erklärenden Kapitelüberschriften.

Gesamtbewertung: 4 – 5 Sterne.

Vermutlich wird das eines der Bücher sein, die ich auf meinem Weg zu mehr Fokus – eines meiner großen Ziele für dieses Jahr – noch öfter in die Hand nehmen und weiterempfehlen werde.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie: 7 Wochen ohne Multitasking

Teil 1: Ein Experiment

Teil 2: Spurensuche. Was verleitet uns zum Multitasking

Teil 3: Der 18 Minuten Fokus. Planung und Zwischenchecks

Teil 4: Der Körper. Die Rolle, die der Körper bei Ablenkung spielt